Wie funktioniert gutes Zeitmanagement im Studium?

Jan-Martin Müller Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Psychosoziale Beratung, Lernberatung
Was ist das Besondere am Zeitmanagement und an der Prüfungsvorbereitung an der Uni im Vergleich zur Schule?

In der Universität hat man im Vergleich zur Schule viel mehr Möglichkeiten, sich selbst zu organisieren und viel mehr Gestaltungsfreiraum im Studium, wozu auch gehört, dass man sich mehr selbst motiviert. Das Studium wird zum Beispiel nicht als feste Gruppe absolviert, wie z. B. als Klasse in der Schule, und es gibt nicht unbedingt eine Anwesenheitspflicht in den Veranstaltungen. Die meisten Studierenden tun sich aber mit anderen Kommilitoninnen und Kommilitonen zusammen, denn gemeinsam in Lerngruppen zu lernen ist für viele eine hilfreiche Möglichkeit, mit dem vielen Lernstoff umzugehen. In der Uni entfallen zudem die Noten für die mündliche Beteiligung (außer natürlich in mündlichen Prüfungen). Es ist meist viel mehr Lernstoff für eine einzelne Prüfung vorhanden als in der Schule. Selbstorganisation heißt auch, dass man sich den Lernstoff selbst besorgen muss, sei es die Materialien auf einer der Uniplattformen wie PANDA herunterzuladen oder Literatur in der Bibliothek zu suchen.

Wie laufen die Prüfungen an der Uni?

Während man in der Uni in manchen Veranstaltungen die Prüfungsleistungen über das Halbjahr verteilen kann, finden Prüfungen in anderen Studiengängen auch geballt in einem bestimmten Zeitraum statt. Die Gesamtnote eines Moduls kann aus unterschiedlichen Prüfungsleistungen zusammengesetzt sein: u. a. Klausuren, Referate, Hausarbeiten, mündlichen oder praktischen Prüfungen, Projektarbeiten, Praktikumsberichten, Protokollen, Portfolios, Abschlussarbeiten. In Veranstaltungen, in denen Projektarbeiten und Hausarbeiten geschrieben werden, können die Inhalte oft auch selbst bestimmt werden. So hat man beispielsweise die Möglichkeit, seine eigenen Interessenschwerpunkte zu legen und in diesem zu forschen. Die Gestaltung des Studiums und der Studiendauer liegt bei einem selbst und solange eine Prüfung nicht endgültig nicht bestanden wird und der Semesterbeitrag bezahlt wird, geht das Studium weiter.

Bekommt man an der Uni Feedback wie in der Schule?

Nein, ob man in der Uni Übungsblätter bearbeitet oder die vorgegebene Literatur gelesen hat, wird hier in der Regel nicht kontrolliert. Es liegt bei einem selbst, sich regelmäßig vorzubereiten, bei Seminaren aktiv zu werden und den Lernstand mit Kommilitoninnen und Kommilitonen abzugleichen. Wer sich neben den Prüfungsergebnissen mehr Feedback wünscht, kann jedoch selbst Kontakt mit den Lehrenden aufnehmen.

Welche Probleme gibt es beim Zeitmanagement und bei der Prüfungsvorbereitung an der Uni?

Häufige Probleme beim Zeitmanagement und der Prüfungsvorbereitung sind Schwierigkeiten mit Selbstorganisation, besonders bei der langfristigen Planung über mehrere Semester. Die Entscheidung für passende Veranstaltungen und das realistische Einschätzen von Aufwand und Anforderungen fällt oft schwer. Pläne müssen flexibel bleiben, da Unerwartetes passieren kann.

Hinzu kommen Motivationsprobleme, z. B. beim Anfangen, Durchhalten oder im Umgang mit Ablenkungen. Viele fühlen sich von der Stoffmenge überfordert oder haben Angst, nicht genug gelernt zu haben. Unsicherheit und Prüfungsangst können die Folge sein. Hilfreich sind realistische Ziele, Selbstbelohnung und das Wissen um eigene motivierende Faktoren.

Welche Tipps gibt es zum Zeitmanagement

Zeitmanagement im Studium gelingt besser durch Rückwärtsplanung – also vom Prüfungstermin aus rückwärts denken und realistische Zeitfenster für Lernphasen, Hausarbeiten oder Kapitel einplanen, inklusive Wiederholung und Puffer. Aufgaben sollten priorisiert (wichtig/dringend) und in kleine, konkrete Schritte unterteilt werden, z. B. nach dem SMART-Prinzip (spezifisch, messbar, aktionsorientiert, realistisch, terminiert).

Wichtig ist auch, den besten Lernort und Zeitpunkt zu finden, Ablenkungen (z. B. Handy) zu vermeiden und durch kleine Motivationshilfen (Musik, Belohnungen, Countdown) ins Arbeiten zu kommen. Impulskontrolle, kurze Pausen und ein bewusster Start stärken das Durchhaltevermögen. Lernen fällt leichter, wenn man Sinnfragen stellt oder sich mit anderen austauscht.

Lieber durchlernen oder auch Erholung gönnen?

Erholungszeiten sind auf jeden Fall wichtig! Eine Aufteilung in Lern- und Nichtlernphasen am Tag / in der Woche kann hilfreich sein, um Lernzeiten sowie Erholungszeiten zu intensivieren. Gerade wenn das Gefühl entsteht, nicht genug gelernt zu haben, lassen manche diese Erholungsphasen „schleifen“, selbst wenn sie in dieser Zeit insgesamt weniger „schaffen“. Gerade langfristig hilft es, eine Idee zu bekommen, wie man das Studium, Nebenjob, Familie, Partner*in, Freunde, Freizeit, vielleicht ein Auslandssemester usw. gut miteinander kombinieren kann. Wenn man während des Semesters regelmäßig Zeit für das Lernen einräumt, reduziert man einen möglichen „Lernberg“ vor der Prüfung und durch bereits verarbeitetes Wissen fallen Wiederholungen leichter.

Und Tipps zur Prüfungsvorbereitung?

Zur Prüfungsvorbereitung gehört das Mitschreiben und Nachbereiten während des Semesters sowie eine gezielte Wiederholungsphase vor der Prüfung. Mitschriften sollten zeitnah überarbeitet und ergänzt werden. Es empfiehlt sich, den Lernstoff regelmäßig oder gebündelt zu wiederholen – je nach Lerntyp. Für Klausuren bietet sich eine Rückwärtsplanung an, um realistisch Zeit, Stoffumfang und Anforderungen einzuschätzen. Lernprozesse lassen sich in Input (Verstehen, Strukturieren mithilfe von Methoden wie SQ3R oder Visualisierungen) und Output (Anwenden, Wiederholen, Abfragen) unterteilen. Lautes Beantworten von Fragen hilft besonders bei mündlichen Prüfungen. Der Fokus liegt auf aktivem Lernen und sinnvoller Ressourcennutzung wie Pausen, Austausch und Konzentration.

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Und was kann man tun, wenn man das Gefühl hat, dass nichts mehr geht?

Kommen Sie bei auftretenden Schwierigkeiten immer gerne zu uns in die Zentrale Studienberatung! Wir können gemeinsam analysieren, wo die Schwierigkeiten liegen und welche Handlungsoptionen bestehen.