Das Drei-Spei­cher-Mo­dell: So bleibt der Lern­stoff im Ge­dächt­nis

Kennst du das auch?

Dein Kopf ist so voll, dass Du das Gefühl hast, Dir nichts mehr merken zu können? Du kannst Dich an das, was Du noch vor ein paar Wochen im Tutorium gelernt hast, schon nicht mehr erinnern? Oder Du kommst gerade aus der Vorlesung und fragst Dich, was besprochen wurde?

Das Drei-Speicher-Modell hilft Dir zu verstehen, was in Deinem Kopf passiert! Dieses Modell erklärt, wie man welche Art von Informationen im Gedächtnis verarbeitet und wie man diese drei verschiedenen Sektoren im Gehirn bewusst aktivieren kann.

So Funk­tio­­niert's: Je­­des Ge­­dächt­­nis hat sei­­ne Auf­­­ga­­be

Das ultra Kurzzeitgedächtnis

Das Ultrakurzzeitgedächtnis wird auch als sensorischer Speicher bezeichnet. Hier werden viele Sinneseindrücke gespeichert, allerdings nur für eine ganz kurze Zeit: nur bis zu einer Viertelsekunde! Um uns herum passieren viele Dinge, die wir nicht alle aufnehmen können. Deswegen werden in diesem Teil des Gedächtnisses die Informationen sortiert. Wichtiges wird an das Kurzzeitgedächtnis weitergegeben und andere (unwichtige) Informationen werden wieder aus dem Ultrakurzzeitgedächtnis gelöscht.

Das Kurzzeitgedächtnis

Im Kurzzeitgedächtnis, unserem sogenannten Arbeitsspeicher, werden geringe Mengen an Informationen für einige Minuten gespeichert. Was hast Du (unbewusst) gesehen, gehört oder gefühlt? Hier setzt man an, wenn man sich etwas für einen langen Zeitraum merken möchte! Wie Du das für Dich nutzen kannst? Wenn man sich Dinge immer wieder vorsagt, überdenkt und wiederholt, kann man sich in mehreren Tagen noch daran erinnern. Wenn die Informationen zusätzlich weiterverarbeitet werden, kommen sie ins Langzeitgedächtnis. Aber Achtung! Wenn man frisch aus dem Tutorium oder der Vorlesung kommt, dann hat man oft das Gefühl, die Inhalte verstanden zu haben und schnell wieder reproduzieren zu können. Nach einigen Stunden, Tagen oder Wochen sind die Inhalte aber schnell wieder verschwunden. Aus diesem Grund sind eine zeitnahe Nacharbeitung und regelmäßige Wiederholungen sehr wichtig, um die Informationen im Langzeitgedächtnis ablegen zu können.

Das Langzeitgedächtnis

Fast unbegrenzte Speicherkapazitäten hat dann erst unser Langzeitgedächtnis. Es ist durchaus in der Lage, Informationen lebenslang zugänglich zu machen. Es vernetzt Dinge, die wir gelernt haben und macht sie für uns verfügbar. Allerdings ist es gar nicht so leicht, Infos hier abzuspeichern. Es kommt ganz auf die Wissensorganisation an. Werden neue Informationen mit einer Basis vorhandener Informationen im Gedächtnis verknüpft, können die Informationen besser verarbeitet bzw. abgerufen werden. Verknüpft oder vernetzt das Gedächtnis die neuen Informationen mit Bildern oder Begriffen, dienen diese als Abrufhilfe und es kann Informationen leichter wieder ins Gedächtnis rufen.

Schritt für Schritt: So wird es ge­­nutzt

  1. Priming: Zuerst richtet man seine Aufmerksamkeit durch Aufgaben oder Stichwörter auf ein gewisses Thema aus (Priming). Dabei hilft das Ultrakurzzeitgedächtnis.
  2. Chunking/‘Split-Attention‘-Effekt: Das Kurzzeitgedächtnis verbindet dann die Infos (Chunking/‘Split-Attention‘-Effekt), behält sie (besonders gut am Ende und am Anfang einer Einheit) und vermeidet, dass sie sich überlagern. Das Chunking kann man sich vorstellen wie das Schreiben eines Spickzettels: Die Informationen werden so gut kombiniert, dass die Gesamtmenge, die man später abspeichern kann, an sich klein ist, aber viele verschieden kombinierte Informationen beinhaltet.

    Fertige Vorlesungsmitschriften an, notiere Dir Fragen, Beispiele und Anmerkungen in den Vorlesungsfolien oder arbeite mit Farben und Markierungen in den Vorlesungsunterlagen und Skripten!

  3. Wiederholen: Durch Wiederholen und das Interesse an einem Thema kommen die Informationen dann ins Langzeitgedächtnis. Um sie längerfristig zu speichern, hilft es, sie mit Informationen zu verknüpfen und einsichtig zu lernen, das heißt, dass man die Informationen auch verstehen und nicht nur auswendig gelernt haben soll. Aus diesem Grund sollten die Inhalte aus den Vorlesungen und Tutorien möglichst häufig wiederholt werden. 

    Dabei helfen z.B. das Erstellen von Lernpostern oder das Lernen mit Lerngruppen

Tipps

  • Um Überlagerung von Lernstoff zu vermeiden, starte mit Konzentrationsübungen und leichten Themen. Teile den Stoff in Abschnitte, lege eine Reihenfolge fest und wechsle die Inhalte ab – trenne dabei ähnliche Themen strikt. Kombiniere schriftliche und mündliche Prüfungen und baue leichtere Themen ein.
  • Bei Lernschwierigkeiten hilft die Lernberatung der Zentralen Studienberatung. Dort kannst du in geschützter Atmosphäre individuelle Lösungen für Selbstorganisation, Zeitmanagement und Lernstrategien entwickeln.